Die Texikaner

Ankunft in Dallas, der Texaner steht in der Einfart und hilft mir mit dem Gepäck. Seine Frau serviert Kaffee, die Jungs sind zurückhaltend aber freundlich, Tommy, der zweitjügste, hat einen festen Händedruck. Bisschen plaudern, dann gehen wir mit den Jungs essen in einem Diner, Tom erzählt von seiner Arbeit in einem Restaurant. Alles locker, alles unkompliziert. Am nächsten Tag: Rodeo in Fort Worth und Westmuseum mit Gemälden, Skulpturen und Fotografien aus der Wildwest-Zeit.
Für Sonntag ist das grosse Familientreffen angesagt, wir fahren zu Joaquins jügsten Bruder Arturo. Alle seine Kinder und deren Kinder sind da: an die zwanzig Leute, die mich kennen lernen wollen. Es wird leckeres mexikanisches Essen aufgetragen, viele Fotos werden geschossen.
Am folgenden Tag Besuch von Roberto und seiner Frau, auch deren äteste Tochter und ihr Mann sind da. Wieder mexikanische Küche - da könnt ich mich dran gewöhnen...
Am nexten Morgen breche ich auf, um Tereza und Rodrigo noch einmal zu besuchen. Wieder acht Stunden Fahrt, um in den Südwesten von Texas zu gelangen. Wir besuchen gemeinsam ihre Tochter Belinda in San Antonio. Und dort sind nochmal ca. dreissig Leute versammelt: Alle Töchter und Söhne von Tereza und deren Ehepartner und Kinder. Mir schwirrt der Kopf von all den neuen Namen und Gesichtern. Und das war nur der Teil der Familie, der im Süden der USA wohnt ...

1 Kommentar 22.1.07 03:17, kommentieren

Pferdewexel

In El Paso TX gefällts mir nicht - ist irgendwie ein mieses Grenzkaff - viel Ramsch wird verkauft, kaum interessante Orte und noch dazu ist das Wetter ätzend: Eisregen. Ausgerechnet hier hab ich zwei Tage Zwangsaufenthalt, weil die Strassen in ganz Westtexas glatt und vereist sind. Nach einem Frühstück am zweiten Tag dort komme ich zurück zum Parkplatz und muss feststellen, dass jemand offenbar den Wagen gerammt und sich dann verzwiebelt hat. Ein Rücklicht ist demoliert, die Stossstange verbeult. Anruf bei Polizei und Aurtovermietung. Letztere rät mir, den Wagen am oertlichen Flughafen auszutauschen. Also Pferdewexel in El Paso. Leider dauert die Prozedur ewig, weil der Wagen für einen langen Zeitraum und über eine deutsche Agentur gebucht wurde. Sie wollen mir erst gar keinen Ersatzwagen geben sondern mir einen neuen Mietvertrag (und neue Kosten) aufschwatzen. Nach drei Stunden und mit nicht ganz so guter Laune verlasse ich dann mit einem neuen Wagen das Terminal.
Einen Tag vor meiner Verabredung mit dem Texaner fahr ich los; denke dass ich ja schon in Texas bin und rechne deshalb mit nicht mehr als acht Stunden Fahrt ins Ballungsgebiet um Dallas. Falsch kalkuliert: ich bin den ganzen Tag unterwegs und muss auch die ganze Nacht fahren, um es bis zum Mittag des nächsten Tages auch wirklich zu schaffen.

18.1.07 03:15, kommentieren

Old Wild West

Unterwegs mit Verwandten im südlichen Arizona. Die Gegend ist voll von Geschichte. Wir fahren nach Tombstone, altes Wildes Westernstädtchen. Richard stellt mich einem bewaffneten Herrn in schwarzem, altmodischen Mantel und seiner Lady vor.

Er nennt sich Wyatt Earp. Doch wir haben kaum Zeit zu Plaudern, denn da kommen irgendwelche Finsterlinge die Main Street langgelaufen. Nach einem lauten Wortwexel

folgt ne Schiesserei. Vier Tote, zwei Schwerverletzte.

Später fahren wir weiter nach Bisbee

.

, der Hauptstadt des Cochise-County und in die Berge, in denen Berglöwen, Bären und Coyoten wohnen.

Später, auf meinem Weg zurück nach Texas, komme ich am Skeleton Canyon vorbei, wo Goyaałé (Geronimo) und Naiche sich im September 1886 als letzte unabhängige Indianer den US-Truppen ergeben haben.

1 Kommentar 18.1.07 02:13, kommentieren

Hart an der Grenze

Die Sperranlagen an der Grenze zwischen Mexico und den USA bei Calexico, Kalifornien

US-Patrouille an der Grenze zu Mexico


Grenzgraben auf US-amerikanischer Seite

Grenzzaun (ca. 6m hoch) und Grenzgraben bei Calexico an der Grenze zwischen Mexico und den USA

1 Kommentar 12.1.07 19:07, kommentieren

Grenzerfahrung

Ich fahre durch die Wüste und langsam wird mir wüst langweilig. Also will ich doch mal sehn, wie das hier so läuft / was hier noch so geht. Ich fahre von der kleinen Landstrasse runter auf ne schmale Sandpiste und mitten rein in die Wüste zwischen stachelige Büsche und hohe Dünen. Bisschen Rast machen. Nach einem kleinen Nickerchen gehts wieder weiter. Und richtig: keine 5 Minuten später flammt hinter mir das Blauchlicht einer Grenzpatrouille auf. Ich fahr brav rechts ran, der Grenzwächter hält hinter mir, steigt aber gar nicht aus. Ich will schon weiter fahren, da kommt er angeschlendert, schaut sich meine Karre rundherum an und sagt dann guten Tag. Ich grüsse auch freundlich und frage ihn, was ich heute für ihn tun kann. Er will wissen, wo ich gerade herkomme.
- Bin heute morgen von San Diego losgefahren.
- Aber Sie sind doch eben aus einem Nebenweg gekommen?
- Achso. Ja. - Wow! Das haben Sie gesehen?
- Klar, wir haben überall Kameras hier.
- Ja, ich hab 'n Nickerchen gemacht.
- Ein Nickerchen?
- Ja. Hab noch nen weiten Weg vor mir. Will zurück nach Florida.
- Kampieren Sie oft im Auto?
- Naja kampieren? Wenn ich lang fahre, mach ich schon mal auch Pause im Wagen.
Dann will er die Papiere sehen. In meinem Pass findet er keinen Visumstempel. Ich zeige auf die grüne Karte, die zwischen den Seiten liegt. Er schüttelt den Kopf.
- Das ist kein Visum, sondern nur die Zollerklärung.
- Ach? Ja, aber was anderes haben die mir am Flughafen in Newark nicht gegeben. Ich dachte das sei das Visum? Sehen Sie mal, da ist doch auch euer schöner Adler drauf!

Er zückt aus dem breiten Halfter seine Funke und gibt meine Daten durch, bittet mich, im Wagen zu bleiben. Dann kommt auf einmal Verstärkung an. Er verschwindet ne Weile in dem anderen Jeep, dann teilt er mir mit, dass ich kein Visum für die USA besitze. Ich sage ihm, dass das nicht sein kann, denn im Flughafen kommt man nicht durch ohne Visum. Er scheint ratlos und berät sich noch einmal mit dem frisch eingetroffenen Kollegen. Ich muss innerlich grinsen. Das perfekte US-Einreisesystem mit Kontrollen am Flughafen, bei denen man sich halb entkleiden muss, hat mich ohne Visum passieren lassen?
Nach ner Weile kommt der andere Grenzer an und grüsst mich. Ich sage ihm, dass ich ein wenig überrascht bin. Er meint das müsse ich verstehen, schliesslich sei die Grenze hier sehr nahe - man wisse doch in Europa sicherlich, was hier passiere, oder? Ja schon, sage ich, man glaubt aber in Europa auch, dass man nicht ohne ein Visum in die USA einreisen kann. Jetzt schaut auch er ratlos drein, wünscht mir gute Fahrt und will sich verabschieden. Ich frage ihn, was denn nun mit meinem Visum sei, sein Kollege antwortet, dass man mit dem Waiverprogramm kein Visum brauche. Naja, ich hab da zwar was anderes gehört, will aber hoffen, dass er Recht hat und ich nicht nachher bei der Ausreise noch Schwierigkeiten bekommen werde. Er meint, ich soll doch einfach die Grenzer an der Übergangstelle nach Mexico fragen wie das genau läuft, der Posten sei nur neun Meilen die Strasse runter. Ich bedanke mich und fahre zum Kontrollpunkt. Der ist in Calexico, Mexicali, Mexifornia, Calimex oder wie der Grenzort eben heisst.

5 Kommentare 11.1.07 18:57, kommentieren