Begegnung

ein weiterer tag im k?chendienst. heute aber doof, weil alle netten leute auf den feldern sind. nur sivan war noch da, aber die hatte stress mit mike, unserem schichtleiter.

also wieder: wenig tun, viel inne sonne sitzen und rauchen.

kurz vor mittag setzt sich ein alter mann zu uns mit lustigen augen. er redet mit allen, alle lachen. ich versteh nix, weil ivrit. dann sieht er mich an, spricht ploetzlich deutsch: kleine lustige reims?tzchen: .. warum ist die banane krumm, sowas in der art. ich muss trotzdem lachen. frage ihn, wie es kommt, dass er so gut deutsch kann. er war im KZ

obwohl klar war dass ich irgendwann vor so ner situation stehen w?rde, hab ich einen fetten kloss im hals, weiss nicht, wie weiter ...

21.11.05 18:26

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nr0 (22.11.05 00:47)
hey suesser, hab dir ne gleichlautende email geschrieben, versuche es jetzt nochmal:

ich denke, wenn dieser alte mann scherze mit dir gemacht hat und auch die deutsche sprache dazu benutzt hat, dann ist das erst mal ein gespraechsangebot und eine chance. ich glaube es ist ganz okay einfach fragen zu stellen - danach, wo er vor dem kz gelebt hat, in welchem kz er war, wie lange etc. das ist ja teil seiner lebensgeschichte. du kannst auch ruhig sowas sagen wie:"i'm so sorry" oder so, auch wenn man immer das gefuehl hat, das ist alles immer zu wenig...

also auch ruhig sagen, wies dir geht, dass du nicht weiss, was du sagen sollst - aber das sollte vielleicht nicht im mittelpunkt stehen, nicht dass du nachher derjenige bist, der getroestet werden muss.

meien mutter hat erzaehlt, dass sie in israel immer wieder ueberlebende aus deutschland kennengelernt hat, die ganz gerne von deutschland erzaehlt haben, von der zeit vor dem kz. und er wird schon viele deutsche kennengelernt haben im kibbuz.

letztendlich musst du versuchen, den kloss in deinem hals erstmal irgendwie zu ignorieren und dich der gefahr aussetzen, dass das gespraech schief geht und du dich hinterher bloed fuehlst - das ist quasi das winzige opfer, das du bringen musst. es ist aber wohl die schlechteste moeglichkeit, einfach gar nicht mehr zu reden und ihm aus dem wege zu gehen - das sollte ihm vorbehalten sein. na ja irgendson mittelweg, nicht zu neugierig sein und abwarten was von ihm kommt - du koenntest ihn nach der geschichte seiner auswanderung nach israel fragen, das ist sicherlcih sehr spannend und wird von ihm als befreiungsgeschihte wahrgenommen werden, so dass es fuer den anfang vielleicht einfacher ist, damit einzusteigen.

vielleicht will er aber auch vom kz erzaehlen - und sieht das als wichtig an. viel glueck!

no0


exi (22.11.05 06:56)
ich hab ja dann schon auch weiter mit ihm geredet. wusste halt erstmal nicht wie weiter, war im ersten moment halt ein bisschen geschockt. hab ihn dann gefragt wo er geboren wurde, er wollte wissen, ob ich jiddisch verstehe, hab ich gesagt: chob gehert a paar werter ...
also war dann schon recht locker, bin auch sehr gespannt auf ein wiedersehn mit ihm

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