Weihnachtsspaziergang

Nachdem unsere weihnachtsausfl?ge allesamt wegen des miesen wetters ausgefallen sind und wir den vagen vertr?stungen des voloscheffs kein vertrauen mehr schenken k?nnen, ziehen wir auf eigene faust los: in die w?ste. wohin auch sonst; mit dem auto, das yaniv f?r den trip nach massada reserviert hatte, wollte er uns nicht ersatzweise in einen relativ nah gelegenen wildpark bringen, er nutzte die gelegenheit lieber, um auf ne private radtour zu gehen. uns volos aber ist es unter keinen umst?nden gestattet, die kibbuzeigenen fahrzeuge zu benutzen.

Also zu fuss los, direkt vom kibbuz aus.

Nach ca. ner halben stunde marsch durch platte ger?llebenen erreichen wir die berge

und kriechen in einen wadi. der schwierigkeitsgrad ist hier allerdings erheblich h?her als alles, was wir in timna zu bew?ltigen hatten: sie nennen ihn den wadi der wasserf?lle, es gibt viele sehr steile bis zu acht metern hohe felsst?rze, die wir, teilweise schon fast h?ngend, ?berwinden m?ssen. das alles ist ziemlich abenteuerlich; wir sind ohne karte unterwegs. orientierung bietet uns rafis erinnerung. er kennt die erste h?lfte unseres trips. bis zur oase. dort wird der sand dunkel vor feuchtigkeit, zwischen den dichtstehenden gr?nen b?umen die sich in diesem engen tal zusammendr?ngen, sammelt sich das wasser. danach: neuland. wir wollen zu dem beduinenzelt auf dem obersten felsplateau, von dem uns barry schon ?fter erz?hlt hatte. als richtungsangabe sagte er uns lediglich: nach der oase rauf aufs plateau. allerdings hats hier mehrere davon ... wir entscheiden uns f?r das auf der anderen seite des wadi. hier m?ssen wir rutschige ger?llh?nge queren und auf sehr schmalen ziegenpfaden an bergflanken entlangbalancieren, die unter uns steil abfallen.

Das gel?nde springt hier in drei stufen um jeweils ca. 300 h?henmeter. auf jedem level wird die aussicht berauschender. von der oberen ebene kann ich nach osten hin die gesamte s?dliche arava bis elat und aqaba ?berblicken. der wind hier oben ist sehr stark, mir flattern die klamotten am k?rper und als ich sehr nah am abgrund stehe erfasst mich eine noch st?rkere b?, ich muss mich gegen den wind stemmen, um nicht einfach runtergeweht zu werden. auf der jordanischen seite sehe ich drei grosse windteufel durch den sand toben.

ich wende mich nach westen und suche das beduinenzelt, das hier oben sein soll. doch da gibt es nochmal ne anh?he - vielleicht ist das camp dahinter? also klettern wir auch da rauf. wir entdecken in s?d?stlicher richtung eine kleine siedlung, aber kein camp. das ist wahrscheinlich das dorf der freax - barry hatte erz?hlt, dass mitten im nirgendwo vor ein paar jahren leute ne neue siedlung gegr?ndet h?tten und von dort aus trips in den negev anbieten. wir beschliessen also, dort hin zu gehen, und als wir schon fast da sind, sehen wir auf einer weiteren anh?he das camp. auf dem weg finden wir granatenh?lsen und patronenketten von maschinengewehren. wir h?ngen uns jeder eine um: dekoration f?rn foto und sp?ter f?r die bude.

das camp is der hammer: saugem?tlich, sehr gross und mit der allerbesten aussicht: vier l?nder im blick: israel, jordanien, ?gypten (gleich ums eck) und saudi arabien. wir freuen uns wie doof dass wir hierher gelatscht sind und nicht, wie die andere h?lfte unserer gruppe, in yotvata darauf gewartet haben, dass yaniv vielleicht doch vor sonnenuntergang zur?ckkommt und dann die karre f?r uns lenkt. jetzt ist es kurz vor sonnenuntergang, da klingelt auch schon das mobiltelefon: die anderen warten immer noch, w?hrend wir die erste "Personal Pizza" ?berhaupt essen: super lekker auf beduinenofen gebacken.
es folgen noch ein paar telefonate und schliesslich kommen se angerauscht: im minivan f?nf volos incl. voloscheff. holen uns ab zu nem fetten weihnachtsessen in Elat.


Auf der n?chtlichen fahrt dort hin durch die berge bleiben wir am posten der IDF h?ngen: sie lassen uns nicht passieren weil wir keine papiere dabei haben. die wachfrauen telefonieren mit dem HQ, der befehl lautet: warten, bis der kommandeur kommt. aber das kann dauern, weil der grade in ner lagebesprechung ist. wir lungern also frierend am posten rum - is mitttlerweile eiskalt geworden. mir f?llt siedend heiss ein, dass wir ja noch die patronengurte vom berg in den ruck?cken haben. wenn die jetzt unser gep?ck durchsuchen, dann haben wir ein problem ...
irgendwann kommt eine der frauen vollbeladen mit s?dfr?chten an: geschenk an zitternde volos. rafi will n foto vom posten machen, da sind die m?dels ganz begeistert, ziehen uns hinter die betonarmierung. yaniv darf nicht mit, der muss den ausl?ser dr?cken. und mit barry telefonieren, der im restaurant auf uns wartet. als klar wird, dass wir so bald nicht bei ihm sein werden, verlegt er seinen standort in die bar eines luxushotels, bestellt Glennfiddich, l?sst sich von der wachhabenden die nummer ihres kommandanten geben und scheisst diesen offenbar so effizient zusammen, dass wir kurz darauf frei sind. elat war lekker: steak am strand.

26.12.05 12:17

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SuBu (27.12.05 10:25)
Also dieser bericht hat mich wieder total fasziniert. Ich glaube, diese wunderbaren landschaftseindruecke und "ungeplanten" Treffen wirst Du nie wieder vergessen. Deine Beschreibungen sind so anschaulich, und dennoch ist das Selbst-Erleben noch so viel groesser! Die allgegenwaertigen Kontrollen zeigen jedoch immer wieder die polit. Brisanz dieser Gegend. Wahrscheinlich ist es immer besser, nicht allein unterwegs zu sein oder?
Wir haben seit gestern auch Schnee und Sonne, es ist wie im Maerchen, besser als dieses Niesel-Fiesel-Wetter!


info / Website (29.12.05 12:04)
achim! was issen die IDF?

und zu deiner frage bei mir in den kommentaren: nee, das isst so per ferndiagnose ganz schwer zu sagen, ob und wenn ja welcher grad das gewesen sein könnte. ich bin ja noch ganz neu im geschäft und würde mir selbst nicht zutrauen, eine selbst gekletterte route zu bewerten. dann ist das eh immer mit nem subjektiven faktor behaftet.

du kannst mal die sache so sehen: klettergrad 1 und 2 existiert nicht auf der UIAA-skala. (ps: google die mal, das ist die weltorganisation der kletterer und alpinisten, vielleicht wirst du da geholfen). d.h. 1 und 2 ist noch kein richtiges klettern, sondern eher gehen in sehr steileem gelände, wo du vielleicht hier und da mal die hand zu hilfle nimmst. klettern bedeutet immer "luft unter den sohlen", d.h. immer senkrecht oder überhängend. wenn ihr das hattet, zumal an acht meter hohen wänden, dann war das ungesichert nicht unriskant... 8 meter sturz auf fels reichen locker für game over. wenn du aber schreibst: "teilweise fast schon hängend" liest sich das so, als ob es so steil war, dass die wand fast schon - aber eben nicht ganz - senkrecht war. und dann sagt der echte bergfex dazu nur kraxeln, aber noch nicht klettern (auch dabei kann man sich zu tode stürzen...) allerdingss hängt man natürlich auch an den senkrechten wänden... haste ned en foddo von den heißen stellen? am bebsten mit jemendem in action? dann könnt ich dir zumindest sagen, obs kraxeln oder klettern war... LOL


nochma ich (29.12.05 12:07)
uiaa: http://www.uiaa.ch/index.aspx

hier was zur uiaa-skala und deren geschichte:
http://www.8ung.at/alpenverein-freistadt/UIAASkala.htm


exi / Website (29.12.05 21:56)
IDF= Israeli Defense Forces, hatt ich extra 'n link reingebastelt, weil ich mir schon dachte, dass das ned selbsterklärend is ...

leida keine fotos von waghalsigen klettereien ( ich war zusehr damit beschäftigt, über felsspalten zu hangeln )

das gute an den 8m-Stellen war, dass da felsblöcke vom zerbröselnden hang davor lagen, sodass wir auf denen rumturnen und uns nach oben durchwurschteln konnten

danke für die linx und frohe grüsze


exi / Website (29.12.05 22:02)
@subu: wenn du mit "dieser Gegend" ganz Israel meinst, dann hast du sicher recht, hier in der südlichen arava aber ist es sehr ruhig, hier gibt es keine raketenangriffe von durchgeknallten palis oder so und auch keine selbstmortattentate. das findet alles eher im norden israels statt, also an der grenze zum libanon, im golan und - heute wieder - entlang des gazastreifens.

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