Postkartentour J'lem

Nachdem ich am vortag sehr frueh ins bett gegangen war, wache ich um 3:00 h morgens auf, hocke mich an den rechner und schreibe ein wenig im blog. einer der vorteile dieses hostels ist freies netz. danach setze ich mich auf einen tee (der ist hier, wie auch der kaffee, ebenfalls inclusive) zu der alten dame, die ausser mir als einzige wach ist. ich bin nicht ueberrascht als sich herausstellt, dass sie eine roemisch-katholische schwester ist. sie erzaehlt einige unglaubliche geschichten von ihrem langen weg durch viele laender "im dienst des herrn Jesus". Eine angenehme und, wie ich finde, fuer Jerusalem sehr passende art, den fruehen morgen zu verbringen.

sobald die sonne aufgegangen ist, mach ich mich auf die socken, diesmal geh ich auf nummer sicher: ich vermeide das moslemische viertel der altstadt, indem ich wege AUSSERHALB der stadtmauern suche.

ich gelange nach Getsemane, angeblich der ort, an dem Jesus verraten wurde. eine der zahlreichen christensekten hat sich hier schon vor jahrhunderten eingezeckt und die grotte, die frueher wirklich mal schoen gewesen sein muss, in eine enge, schlecht proportionierte und muffige kapelle verwandelt. an den waenden sind teilweise noch die schmierereien zu sehen, die einige kreuzfahrer schon vor ihnen dort hinterlassen hatten (blumenbaender, fromme sprueche etc.).

rauf auf den oelberg, der zugepflastert ist mit kirchen verschiedener konfessionen, die schoenen olivenhaine hinter mauern verborgen, die eifersuechtige moenche ueberall errichtet haben.

ganz oben wenigstens ein schoener ausblick auf altstadt und tempelberg. ein schlauer alter araber entfuehrt die beiden kleinen kinder eines nicht so schlauen us-amerikaners fuer schlappe 50 NIS auf seinem weissen esel, ein araberjunge quaelt das auf touris wartende kamel mit stockschlaegen.

der hang unter uns ist uebersaet mit den graebern glaeubiger juden aus aller welt, die sich hier, in sichtweite des tempels,
haben begraben lassen. um schneller in die unterstadt zu kommen, durchquere ich dieses weite, sandfarbene steinfeld. ich hoffe nur, dass ich damit nicht die gefuehle einiger schwarzgekleideter Haredim verletze, die da zwischen den graebern hin- und her springen.

ich komme unten im Kidrontal an und hoffe, dass es hier nun juedisch bleibt, weil ich endlich was essen und trinken will, bei den araban aber wegen irgendwelcher feiertage alles geschlossen ist. ich stelle schnell fest, dass ich wohl noch ne weile hungern muss. wo ich aber schon mal hier bin, wage ich den einstieg in die engen, ziemlich abgewrackten gaesschen dieses viertels.

es ist schon erstaunlich, wieviele kleine jungs hier mit spielzeug-maschinengewehren zwischen den krummen, schrottigen, stark ineinander verschachtelten haeusern rumspringen. ein unuebersichtliches labyrinth, ich frage mich, ob ich je wieder hier rausfinde. aber die preise sind unschlagbar niedrig hier. an einer etwas groesseren kreuzung haengen ein paar jungs rum, ich hock mich zu ihnen auf die mauer und rauch eine. und richtig geraten: bald haelt ein bus; hier ist eine bushaltestelle. ich freu mich, steig ein und lass mich wieder hoch zur altstadt fahren.

diesesmal komm ich von der suedlichen seite, lande also im juedischen viertel. hier sind die gassen breiter und wesentlich weniger bevoelkert als im souq, die haeuser in sehr gutem zustand, nirgends liegt muell rum, am rande des grossen platzes vor dem tempelberg stehen viele neue, grosse wohn- und studiengebaeude.

vor dem eingang zur western wall plaza eine sicherheitsschranke mit taschenkontrolle, durchleuchtung und allem was dazugehoert. an der klagemauer ist nicht allzuviel betrieb, die pappkippas, die am eingang zum betbereich angeboten werden brauch ich nicht, denn wegen des regens halte ich mein haupt bereits seit stunden bedeckt. tempelberg ist fuer touris geschlossen, der freundliche wachmann gibt trotz nachfrage weder grund noch frist an. ich schlendere also weiter durch die ruhigen gassen und mit einem schlag bin ich wieder im souq. der uebergang ist abrupt: eben noch alles ruhig, dann gehst du durch einen der vielen torboegen und schon stehst wieder im dicksten gewuehl.

11.1.06 17:27

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