Voll aufem Posten

Ahbed wollte es auf einen versuch ankommen lassen und ?ber einen Grenzposten zur?ck fahren; offenbar dachte er, dass sie es nicht peilen an der grenze. falsch gedacht: wir kommen an, unsere p?sse werden ueberprueft, dann muessen alle aussteigen und sich an die betonabsperrung stellen. keiner der soldaten, denen wir hier begegnen ist aelter als 20.

Ahbed sagt zu uns: nun seid alle ruhig, sprecht so wenig wie m?glich mit den soldaten, sagt wirklich nur das n?tigste. und vorallem: bleibt cool, lasst euch nicht provozieren. er und Sahed werden von verschiedenen soldaten befragt: wie seid ihr hier reingekommen, wo seid ihr ueber die grenze etc. dies alles nicht nur einmal, sondern mindestens viermal, soweit ich mitgez?hlt habe. ich werde rausgewunken, soll den wagen hinter die absperrungen fahren.

es gibt ein weiteres palaver, und ich habe den verdacht, dass Sahed frech wird: seiner mimik nach zu urteilen widert ihn die ganze sache gewaltig an. Ich versteh natuerlich nix, denn das geht alles auf ivrit, Sahed schimpft zwischendurch immer wieder auf arabisch.

jetzt wird uns befohlen zu warten, man muesse erst mit dem kommandanten kl?ren, was zu tun sei. Ahbed erkl?rt uns, dass der soldat, der uns zuerst kontrolliert hatte uns eigentlich gehen lassen wollte, dann habe sich aber der rangh?chste dieses postens eingemischt und macht jetzt aerger. die erste stunde am checkpoint ist um, die wolken haben sich mittlerweile zusammen gezogen, es wird rasch merklich kuehler.

ich habe deutlich mehr zeit als mir lieb ist, das geschehen hier am kontrollpunkt zu beobachten: die schlange der wartenden autos und kleinlaster am posten hat sich seit unserer ankunft kaum verkuerzt. sie muessen ca. 100 meter vor dem kontrollpunkt halten und werden dann nach und nach einzeln herangewunken. aber die diensthabenden jungs machen echt langsam. und vorallem: die handbewegung, mit der die soldaten die wartenden zum heranfahren aufforden ist dermaszen knapp gehalten, dass die fahrer eigentlich die ganze lange wartezeit ueber (pro wagen mindestens 30 minuten) aeusserst konzentriert das geschehen beobachten muessen, um ihr signal nicht zu verpassen.

nun duerfen wir wenigstens in den wagen einsteigen. durch die windschutzscheibe kann ich beobachten, wie einer der soldaten deutlich sichtbar fuer alle zieluebungen mit seinem maschinengewehr macht, statt die wartenden wagen abzufertigen.

Sahed will sich eine Zigarette anzuenden, da gibt es einen scharfen wortwexel mit dem poser. Ahbed schaltet sich ein, die tonlage verschaerft sich mit jedem gesprochenen wort. Sahed spuckt demonstrativ auf den boden. waehrend Ahbed versucht, den jungen ruhig zu halten wird er selbst dem soldaten gegenueber immer ungehaltener. ich geh auf ihn zu, leg ihm die hand auf die schulter und will die sinnlose streiterei zumindest unterbrechen, indem ich frage, worum es hier denn geht. der soldat will Sahed das rauchen am checkpoint verbieten. der raucht selbstverstaendlich trotzdem, wie wir anderen auch. Die zweite stunde ist laengst verstrichen, als wir endlich ne ansage bekommen: sie haben anzeige gegen die beiden israelischen staatsbuerger wegen illegalen grenzuebertritts erstattet, nun sollen sie auf die streife warten. gegen die touris liege nichts vor, wir koennten gehen, wenn wir wollten.



jetzt kassiert der soldat den autoschluessel. wieder heftige diskussion: ohne schluessel koennen wir den wagen nicht laufen lassen, haben keine heizung mehr in der lausigen kaelte. fluechten koennen wir eh nicht, denn selbst wenn wir es versuchten, selbst wenn wir unbeschadet ueber die reifenstecher kommen sollten, selbst wenn uns der wachturm am posten mit seinen schuessen verfehlen sollte, dann ist auf einem huegel auf der anderen seite der absperrungen immer noch eine stellung mit scharfschuetzen, die uns dann einfach abballern koennten.

als ich nach ner weiteren stunde wieder aufwache sehe ich durch die geoeffnete seitentuer, wie der soldat in stroemendem regen einem zehnjaehrigen, duenn bekleideten jungen befiehlt, den oberkoerper frei zu machen. ne halbe stunde spaeter taucht ein gepanzerter polizeijeep auf, drinnen sitzen zwei aeltere herren, sie kontrollieren alle papiere nochmal, beanstanden nicht mein mittlerweile abgelaufenes touristenvisum, stellen einen bussgeldbescheid ueber 1.500 NIS gegen die beiden Israelis aus. Ne halbe stunde sp?ter koennen wir endlich weiterfahren.

allen ist nun die lust vergangen, noch nach Ramallah zu fahren, Ahbed zeigt uns noch ein schoenes teehaus in der naehe von Djenin, direkt an mehreren kleinen wasserfaellen gelegen. dann umfahren wir Palestina weitraeumig, denn die drohung gegen die beiden lautete: wenn sie nochmal im terretorium auftauchen muessen sie mit ner doppelt so hohen geldstrafe und 5 monaten knast rechnen. wir machen halt in Tabiyah, Ahbeds heimatort, Saheds mutter bewirtet uns mit tee und ner riesigen platte huehnchen auf reis. alle stuerzen sich hungrig auf die platte, dann noch einen durchziehen und weiter gehts, zurueck nach J'lem. Um 21:00 Uhr kommen wir endlich im hostel an.

20.1.06 19:39

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


SuBu (21.1.06 15:59)
Habe beim lesen echt den Atem angehalten, mannoman, was da bei euch abgeht! ist es fuer dich ein beruhigender gedanke, dass du jederzeit in ein friedliches d-land zurueck kannst? im gegensatz zur oertlichen bevoelkerung, die in diesem stressigen zustand leben muss - und kein ende in sicht...
liebe gruesse von M! Schick mir bitte mal deine mailadresse, habe sie verloren....


exi / Website (21.1.06 19:42)
Ja, ich freu mich schon auch, wieder nach D-Land zurueck gehen zu koennen. Aber die Leute hier sind trotz allem total entspannt. Das gehoert halt alles dazu.
viele Gruesze zurueck, email siehe oben

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