Faxen für Palis

Auf dem Platz an der HaNevim direkt vor dem Damaskustor herrscht Gesch?ftigkeit wie immer: Gem?seh?ndler verkaufen ihre Waren, ein kleiner Junge stapelt f?nf volle Gem?sekisten ?bereinander , versucht dann, eine Sackkarre unter die Kisten zu schieben um sie damit anzulupfen. Er braucht mehrere Anl?ufe, denn die Kisten ?bertreffen ganz offensichtlich sein eigenes K?rpergewicht, und so wird er selbst einige Male von der Karre hochgehoben, bevor er seine Ladung endlich fortrollen kann.

Am Rande des Geschehens sitzen einige ?ltere M?nner bei Tee und Nargilah, auf dem hohen Bordstein hocken ziemlich tr?bsinnig drei ungef?hr zehn Jahre alte Jungs und langweilen sich. Devil Stick Peat tritt mit seinem Kollegen aus einem Kramladen heraus auf den Platz. W?hrend Dean sein Telefon z?ckt und versucht, das Treffen in Djenin heute Abend zu arrangieren, nutzt Peat die Gelegenheit, mit seinem runden schwarzen Gauklerhut zu jonglieren. Der auf dem Arm des Engl?nders auf und ab h?pfende Hut zieht bald die Blicke der drei Jungs auf sich. Peat registriert das mit einem verschmitzten Blick aus den Augenwinkeln: Er fischt ein paar Eier aus seiner ausgebeulten Jackentaschen hervor und stopft eins nach dem anderen in seinen Mund. Dann macht er grosse Augen, w?rgt ein paar Mal und spuckt sie alle wieder aus - und noch viel mehr.

Die Jungs reissen die Augen auf, deuten mit lang ausgestreckten Arm auf den Spassmacher und machen sich gegenseitig auf die unglaublichen Kunstst?ckchen aufmerksam. Sie verfolgen jede Bewegung gespannt und lachen dabei.

Dean hat seine Aufgbe offenbar gemeistert, jedenfalls steckt er mit zufriedener Mine das Telefon weg, die beiden M?nner schlendern Richtung Damaskustor davon. Die Kids sind begeistert. Jedem, der vorbeikommt, erz?hlen sie nun mit H?nden und F??en von den Kunstst?cken des Gauklers, und bei jeder Erz?hlung leuchtet wieder die Begeisterung in ihren Gesichtern auf.

Die beiden Briten geh?ren zum 'Circus To Iraq' und sind zurzeit auf einer Tour durch Palestina: Sie wollen Kids in Krisenbgebieten zum Lachen bringen. Heute geht es nach nach Djenin, zu einem Auftritt in der ?rtlichen Schule. Die Stadt liegt ganz im Norden Palestinas, ca. 120 km von Jerusalem entfernt; anderthalb Stunden Fahrt.

Sie passieren diverse Checkpoints, sto?en aber auch auf Strassensperren, wo einfach niemand durchgelassen wird, m?ssen mehrmals wenden. Am letzten Kontrollpunkt vor Djenin wird ihnen gesagt, dass B?rger aus Nablus nicht nach Djenin d?rfen. Ihr palestinensischer Begleiter darf also nicht weiter, auch der Hinweis darauf, dass er ihr ?bersetzer und F?hrer ist, ?ndert daran nichts. Die beiden Briten passieren den Kontrollpunkt, der Pali bleibt zur?ck. Auf der anderen Seite: nichts. Keine Busse, keine Taxis, die Kontrollstelle liegt mitten im nirgendwo. Dean hockt sich also auf die Fahrbahn. Ein achtzehnj?hriger Soldat kommt auf ihn zu, richtet sein Maschinengewehr auf ihn und redet in Hebr?isch auf ihn ein. Er sagt dass er Brite ist, der Junge holt einen, der besser englisch spricht. Der erkl?rt, dass der heutige Tagesbefehl lautet, niemanden zwischen Nablus und Djenin verkehren zu lassen.

Sie gehen wieder zur?ck, der Fahrer bringt sie zu einem anderen ?bergang. Dort wartet ein einziger Soldat auf Kundschaft und wirkt erfreut dar?ber, dass endlich mal jemand hier vorbei kommt. Er l?sst alle passieren und w?nscht einen sch?nen Tag. Aber nun hat der Fahrer nicht mehr genug Zeit; er will (oder muss?) vor Einbruch der Dunkelheit wieder zur?ck in Nablus sein. Doch es findet sich schnell eine L?sung: er reicht die beiden an einen anderen Taxifahrer weiter, der sie direkt zur Schule bringt, ohne noch etwas extra zu berechnen. Der Auftritt ist wie immer ein voller Erfolg, um elf abends erst sind sie wieder zur?ck in J'lem.

Die beiden wollen nicht Partei ergreifen, sagen sie. Wenn sie aber sehen, dass all diese Hindernisse mitten im Land auf allen Strrassen und Wegen es den Leuten dort unm?glich macht, ihre Verwandten zu besuchen, die vielleicht nur wenige Kilometer entfernt wohnen, sie deshalb nicht woanders arbeiten k?nnen, weil nie sicher ist, ob sie ?berhaupt durchgelassen werden, dann, so sagt Dean, wundere es ihn nicht, dass hier der Zorn allgegenw?rtig ist.

4.2.06 22:06

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen