Rassisten auf den Leim gegangen

Es ist bemerkenswert, dass in der gesamten Debatte um die Mohammed-Karikaturen so gut wie gar nicht beachtet wird, wie die Verantwortlichen der Jyllands-Posten vorgegangen sind, um die erhofften Reaktionen von Moslems zu erhalten. Das Ziel war ganz offenbar, rassistische Ressentiments auf beiden Seiten aufzustacheln um die eigene Propaganda best?tigt zu sehen. Schon Ende Oktober letzten Jahres berichtete die Frankfurter Rundschau :

Die Zeitung hatte die Karikaturen ver?ffentlicht, doch "Dann geschah zun?chst einmal gar nichts. Die meisten d?nischen Moslems sind Moslems wie die D?nen Christen: nicht so, dass es weh tut. Viele lesen keine Zeitungen und wenn, dann kaum Jyllands-Posten. Gem??igte Moslems kl?rten auf, dass die Gesetze des Islam nat?rlich nicht f?r Nichts-Moslems in einem nicht-islamischen Staat g?lten, und dass die Zeichner daher nichts zu bef?rchten h?tten. (...) Doch als Jyllands-Posten bei islamischen Organisationen nachzufragen begann, kamen die erhofften Reaktionen, die endlich die Schlagzeile: "Moslems fordern Entschuldigung" rechtfertigten und die vorbereitete Antwort: "Nicht im Traum", erwiderte Chefredakteur Carsten Juste. R?cksicht auf religi?se Gef?hle zu fordern, sei "unvereinbar mit westlicher Demokratie und Meinungsfreiheit", schrieb die Gazette. "Hohn, Spott und l?cherlich gemacht zu werden": darin m?sse man sich finden."

Die Reaktionen in moslemischen L?ndern sind v?llig ?berzogen, die Forderung nach Bestrafung der Urheber in diesem Zusammenhang inakzeptabel, daran besteht kein Zweifel. Was es dazu zu sagen gibt, wurde bereits von der arabischen Jornalistin Mona Eltahawy gesagt.

Kein Zweifel auch, dass viele Menschen in moslemischen L?ndern nicht ausreichend gebildet bzw. informiert sind um beurteilen zu k?nnen, dass diese aus niederen Beweggr?nden losgetretene Kampagne eines kleinen Haufens 'reaktion?rer Provokateure' in D?nemark f?r sie und ihr t?gliches Leben keinerlei Relevanz hat. Die Regierungen einiger dieser L?nder sahen hier eine Gelegenheit, von teils massiven innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken und die Aufmerksamkeit des Volks auf das vermeintlich arrogante Europa zu lenken. Und weil viele Menschen dort so schlecht informiert sind, fallen sie darauf herein und laufen nun Amok.

Nun sollte man erwarten, dass im aufgekl?rten Europa die Menschen nicht so leicht zu t?uschen und in Hass-Stimmung zu bringen w?ren. Es ist doch so einfach: Dem Ansinnen einiger Islamisten, europ?ische Presseleute - und seien sie noch so dumm - f?r ihre Machenschaften zu bestrafen, setzt man ein h?fliches aber bestimmtes Nein entgegen - Ende der Diskussion.

Dieses Nein wurde mehrfach und unmissverst?ndlich gegeben.

Aber einigen reichte das nicht: Sie sprachen von einer Bedrohung westlicher Freiheit und rufen jetzt dazu auf, sie unter allen Umst?nden zu verteidigen. Damit sprechen sie diffuse ?ngste an, die sich bei vielen offenbar schon l?nger aufgestaut haben. Und das Konzert beginnt: Viele Westler reagieren jetzt im Prinzip auch nicht anders als die so heftig als r?ckst?ndig bek?mpften Islamisten. Mit dem Unterschied, dass der Ausbruch des Mobs hierzulande (noch?) auf das Internet beschr?nkt bleibt und sich nicht in Pogromen gegen den arabischen Gem?seh?ndler oder die Moschee nebenan entl?dt. Soviel mindestens haben wir den Leuten des Orients voraus.

Es fragt sich doch, ob wir ein Interesse daran haben k?nnen, diesen Konflikt zu sch?ren, indem wir weiter 'Moslembashing' betreiben. Was soll dabei heraus kommen? Den Moslems zu zeigen, dass sie hier gef?lligst das Maul zu halten haben? Das wird ihnen (und all den anderen Migranten in Europa) st?ndig zu verstehen gegeben, niemand muss also bef?rchten, dass hier pl?tzlich die Sharia eingef?hrt wird.

Doch nun meinen alle, die stolz darauf sind, in einer vermeintlich freien, aufgekl?rten Gesellschaft zu leben, die Pressefreiheit verteidigen zu m?ssen, statt zu allererst einmal festzustellen und zu verurteilen, dass hier Rassisten diese Freiheit missbraucht und damit den Frieden empfindlich gest?rt haben.

Selbstverst?ndlich l?sst sich "der Westen" nicht von Imamen vorschreiben, was in seinen Medien erscheinen darf und was nicht. Dann schon eher von starken Kr?ften aus der Wirtschaft, die den Medienbetrieb mit ihren Anzeigen finanzieren.

Wer jetzt in die grosse Schreierei mit einstimmt, ohne zu fragen, wem das alles eigentlich n?tzt, der handelt nach einem Motto, das in ?hnlicher Form schon fr?her nichts als Ungl?ck brachte: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch den freien Westen."


Interssanter Link:
Situation der moslemischen Gesellschaften auf Telepolis

12.2.06 16:20

bisher 12 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marco_Polo / Website (10.2.06 13:33)
I think you\'re slightly missing the point.

Als Rudi Carell vor 15 Jahren in einer Show mit einer Khomeini-Puppe herumspielte, da gab es genau die gleichen Reaktionen, und das war im Vergleich zu diesen laschen dänischen Karikaturen mal wirklich ausgesprochen politisch in der Zielrichtung.

Der Islam kann generell nicht mit ihm peinlichen oder unangenehmen Begebenheiten umgehen, da er kein Kult ist, der sich oder anderen die Wahlfreiheit des Einzelnen wertschätzt und erlaubt (so wie Judentum und Christentum).

Jeder mögliche und noch so absurde Anlass kann daher geeignet sein, um - gelenkt oder nicht - ein Kodensationskern für Demonstrationen und (nichts anderes sind es) Gewaltorgien zu sein. Diese Gewalt aber ist systemimmanent, sie gehört genau so zum Islam, wie die Trichine zum Schweinefleisch. Sie ist sein Lebenselixier aus "submit and obey".

Darum klann man den Zeichnern gar keinen Vorwurf machen, ganz im Gegenteil. Wären sie nicht der Anlass gewesen, dann wäre es irgendjemand oder irgendetwas anderes - ob heute, vor 5 Jahren oder gleich übermorgen.

Die Zeichner oder die Redaktionsverantwortlichen zu beschuldigen, das ist nichts anderes, als Feigheit vor dem Feind.


Marco_Polo / Website (10.2.06 13:37)
Wir alle, aber auch G.W.Bush selber müss erkennen, dass wir den Islam nur ideologisch besiegen können. Was die USA dabei betrifft: die müssen als Ganzes einen inneren Ruck machen, der gewaltig wäre und uralte westliche Lebenslügen zerschlagen würde. Sobald die USA den Irak verlassen (und der Zeitpunkt wird kommen), wird das Land zu einer shiitischen Theokratie werden, genau, wie der Iran und damit in religiösem Blut versinken und sich mit dem Iran verbünden.

Bush hat aus typisch positivistischer Ignoranz oder vielleicht auch aus Absicht die wahre Natur seines Gegners ignoriert. Beides wäre fatal und es wird von höchster Stelle verdammt werden, darauf mache ich jede Wette.

Die gilt aber auch für Europa und der ignorante Unterton Ihres Kommentares veranlasst mich zu der Vermutung, dass Sie im Falle des Falles keinen Muslim töten würden, der Ihnen in 5 oder 10 Jahren auf deutschen Strassen aus religiösem Hass nach Ihrer körperlichen unversehrtheit trachten würde.

ich dagegen dann schon, wenn es sich nicht vermeiden lässt.


Gudrun / Website (10.2.06 14:40)
Und das ist doch hier die allergößte Freundlichkeit der "gemäßigten" Muslime:

Gemäßigte Moslems klärten auf, dass die Gesetze des Islam natürlich nicht für Nichts-Moslems in einem nicht-islamischen Staat gälten, und dass die Zeichner daher nichts zu befürchten hätten.

Da können wir Nichtmuslime doch dankbar sein, daß die Muslime so großzügig sind, den Zeichnern nichts zuleide zu tun.

Ja, würdigt das denn niemand? Jeder ieht doch an dem spruch, daß die Muslime ganz anders verfahren könnten, daß sie aber Gnade walten lassen.


Gudrun / Website (10.2.06 14:42)
Zur Technik: hier kann frau einmal gemachte Tippfehler nicht mehr verbessern. Was steht, steht. Schade!


Robin Renitent / Website (10.2.06 17:23)
In aller Höflichkeit: ich habe mal für die Jyllands Posten geschrieben. Ich habe nie bemerkt das das Rassisten am Werk waren. Es waren freundliche aufgeschlossene Dänen. Nich mehr und nicht weniger.


Robin Renitent / Website (10.2.06 17:25)
Äh, das mir der Technik habe ich auch gerade bemerkt...


daniel (11.2.06 14:07)
Mal abgesehen davon, daß die verantwortlichen Redakteure vielleicht tatsächlich Rassisten sein könnten, haben doch die Karikaturen nichts mit Rasissmus zu tun?! Seit wann sind denn die Muslime, die sich da in ihrer Gesamtheit angesprochen fühlen, eine Rasse? Wohl eher hat es was mit mangelnder Feinfühligkeit zu tun - weil man bestimmt sicher wußte, wie weit und umfassend das Bilderverbot im Islam geht. Aber gerade das ist der Punkt - mit diesen Karikaturen weist man gerade diesen angeblich weltumfassenden Anspruch des Islam und seiner Ge- und v.a.D. Verbote zurück. Wenn das ein Weg ist, mit dem manche nicht umgehen können wollen, so zeigt das wenigstens auch mal die Probleme dieser Seite auf...


Karsten / Website (12.2.06 15:14)
Hierzulande werden Rasse und Religion ja gern einmal vermengt. Der richtige Ausdruck wäre wohl "religiöser Chauvinismus" - wobei ich die Jyllands Posten nicht selbst gelesen habe, also auch nicht weiß, in wie weit der Vorwurf zutrifft.

@Gudrun:
Hm. Also, da sagen die gemäßigten Moslems nun genau das, was unseren Gesetzen entspricht - dass nämlich die religiösen Vorschriften des Islam in einem fremden Land mit freier Kultur keine Anwendung finden können - und du versuchst immer noch, ihnen einen Strick daraus zu drehen? Das finde ich etwas unfair.


exi / Website (12.2.06 15:39)
Der hier verwendete Begriff des Rassismus bezieht sich nicht auf auf die Kampagne als solche, sondern auf die Haltung, die Jyllands-Posten täglich in ihrer innenpolitischen Berichterstattung unter Beweis stellt. Die Veröffentlichung der Cartoons ist m.E. ein direktes Produkt dieser Gesinnung.


nr0 (13.2.06 19:52)
ich teile meinen beitrag auf, der nimmt ihn sonst nicht:

na na herr marco polo - wer wird denn hier gleich mit heissen kartoffeln um sich schmeissen? und gleich von umbringen sprechen - und das dann auch noch prophylaktisch? den geigerzähler hätt ich gern, der ausschlägt, wenn mir auf der straße ein moslem entgegenkommt, der "in 5 oder 10 jahren aus religiösem hass nach [meiner] (...) körperlichen unversehrtheit trachten" wird - und dann, zack, die wumme raus und umgelegt den zukünftigen übeltäter? in ihrer demokratie möcht ich aber ehrlich gesagt auch nicht leben...


nr0 (13.2.06 19:53)
und dann schrieben sie:
"Der Islam kann generell nicht mit ihm peinlichen oder unangenehmen Begebenheiten umgehen, da er kein Kult ist, der sich oder anderen die Wahlfreiheit des Einzelnen wertschätzt und erlaubt (so wie Judentum und Christentum)."
das CHRISTENTUM? is das jetzt ernst gemeint? da radieren sie eine jahrhundertelange geschichte der gewalt, der kreuzzüge und zwangstaufen und am end ganz auschwitz kurzerhand aus dem eh rudimentären gesellschaftlichen gedächtnis - und stellen das christentum als musterbeispiel für freiheitsliebe und achtung vor der freiheit des einzelnen, ANDEREN dar - das ist, nett gesagt - blödsinn.... Die christliche kirche hat einen missionsauftrag, immer noch, und der wird zu verschiedenen zeiten mit unterschiedlicher vehemenz verfolgt und verfolgt werden...in tel aviv rennen jedenfalls immer noch christen rum und versuchen juden zu missionieren.


nr0 (13.2.06 19:53)
zu dem gehalt der karikaturen: ich habe nur eine einzige gesehen und habe sie durchaus als rassistisch empfunden - insofern, dass es zwar inhaltlich auf der oberfläche um mohammed und selbstmordattentate ging - die zeichnung aber mit überzeichneten klischeehaften eigenschaften araber darstellte: hakennase, glühender blick etc - SO und genauso sieht also ein moslem - oder ein islamist – oder eben doch ein arqaber? Was denn nun, oder iszt das alles eins? - aus - und ich denke es impliziert den umkehrschluss: wer SO aussieht kann nur ein islamist sein, oder etwa nicht?

und zuguterletzt: ich bin ja auch zutiefst islamophob - aber man muss doch auf sich aufpassen - das geht doch auch nicht, dass man nun unter dem deckmantel irgendeiner abgesegneten emanzipatorischen fahne fröhlich einsteigt ins moslem- bashing: und eigentlich wissen wir doch alle noch nicht mal so genau, wen wir damit meinen. wer sind denn "die moslems? na ja und so weiter - mit einer freundin gehe ich durch neukölln und ein paar jugendliche rangeln vor uns auf dem bürgersteiug rum: gleichzeitig denken wior an die bilder von den demos gegen die karukaturen - weil es sich halt um migrantische jugendliche handelt, waschechte neuköllner sozusagen, die wir aber immer noch in eine gegend gehörig mac hen, die sie in ihrem leben wahrscheinlich noch nie gesehen haben - DAS sind reflexe, denen wir uns widmen müssen, das ist einfach nicht gut.
und schühs

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